Silly

 
Wer kann heutzutage schon auf eine fast vierzig jährige Bandgeschichte zurückblicken und dabei im Hier und Jetzt stehen, auf der Bühne und im Studio, nach herben Rückschlägen die unüberwindbar erschienen. SILLY ist eine Kultband eines Landes, welches heute nicht mehr exisitiert, deren Songwriting über vier Jahrzente nicht unterschiedlicher hätten geprägt werden können und deren Bandgeschichte in der Kinodoku „Frei von Angst“ schwer in 114 Minuten zu fassen war.

Zu den eigenen Wurzeln stehend, mit dem Wunsch, sich den Ursprung, die Liebe und die Unbeschwertheit zu bewahren. Getrieben von der absoluten Sehnsucht, bei sich zu bleiben und keinen Kompromiss einzugehen. Das Album „WUTFÄNGER“ ist „ein Blick auf unsere Welt geworden. Eine Welt voller Liebe und Hoffnung, aber auch eine Welt voller Zweifel und Krieg“, bringt Anna Loos das Thema des Albums auf den Punkt.

Bands sind immer dann authentisch, wenn die Inhalte von den Machern selbst kommen. Und traditionsgemäß überzeugt SILLY mit den Lyrics, die auf diesem Album im Wesentlichen aus der Feder von Anna Loos stammen. In den SILLY-Texten geht es durchaus direkt zu. Die Band teilt kräftig aus gegen Neider, Schleimer und Klugschwätzer. Doch es werden auch ganz große Räder gedreht, Höhen angepeilt, zu denen Popsongs in der Regel nicht vordringen.

Das Ganze in den angenehm bekannten, meisterhaft virtuos gewebten Klang-Gewändern. Intensiv und mit ungeheurer Wucht. Die punktgenau gesetzten Harmonien und Melodiebögen finden sich oft genug zu Liedern, bei denen man glaubt, sie hätten schon lang in einem geruht und nur auf den Moment gewartet, wachgeküsst zu werden. Ein grenzenloses Miteinander zwischen Annas Stimme und Texten, Ritchie Bartons Piano, Uwe Hassbeckers Gitarren und Jäcki Rezniceks warmem Bassspiel. Alles ist möglich.

Noch nie haben sie – Anna, Ritchie, Uwe und Jäcki– so viel Aufwand betrieben, sich so viel Zeit genommen, so viel probiert, verworfen und wieder neu probiert. Konzentriert und ohne Einfluss von außen entstand ein in sich geschlossenes, sehr grooviges Werk. Ohne die Digitalwelt zu verteufeln, ist WUTFÄNGER ein echtes „Handmade“-Album geworden. Der Trend, alles Neue zu nutzen, blieb unbeachtet. Das alte Teisco-Keyboard, der Juno60, das Wurlitzer und das Rhodes-Piano wurden zum Beispiel wieder herausgeholt, und wenn man hier einen Flügel hört, dann ist es auch einer. Analog auch deshalb, weil es SILLY kann.

Die Liebe, die die Band und ihr Produzent Mic Schroeder in das Album haben fließen lassen, ist auch live hör- und erlebbar und mit dem Album und der DVD „Wutfänger – Das Konzert (live in Berlin)“ für immer festgehalten.